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Die Stadt unter der Tischdecke des Table mountains - ein Reisebericht über die Sprachschule Kapstadt von Steffi Kugele

Besucht von Steffi Kugele (08/2005)
Zwischen Atlantik und Pazifik gestrandet

Dass Kapstadt eine tolle Stadt sein soll hatte ich bis dato schon mehrfach gehört- dennoch konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, wie es sich anfühlt, in einer so großen und bunten südafrikanischen Großstadt zu sein. Nachdem mir Bekannte aus Durban jedoch anboten mich dorthin mitzunehmen, musste ich nicht lange überleben! Schon die Fahrt entlang der Garden Route ist sehr beeindruckend- das Land ist tatsächlich unglaublich grün und aufgrund der von Hochplateaus geprägten Landschaft sehr einzigartig. Je näher wir der Stadt kommen um so mehr Leben lässt sich auch vom Auto aus beobachten. Ich bin schon auch etwas schockiert, dass man nicht weit vom Flughafen in Richtung Stadt auch einige Townships und eben sehr viele arme Menschen sieht. Die Kontraste von arm und reich sind enorm. Einerseits lebt die wohlhabende Bevölkerung in großen prunkvollen Villen, andererseits gibt es eben auch viele sehr armen Menschen, die in Ihren Townships eng und extrem dürftig zusammenleben und wirklich existenzielle Probleme haben. Sicherlich trugt das viel zu lange dort vorherrschende Apartheitssystem hierfür große Verantwortung! Aber nun genug der melancholischen Eindrücke, schließlich hat die Stadt auch jede Menge Vorzüge. Bald schon sehe ich beispielsweise den Table Mountain- bedenkt von einer dichten weißen Wolkendecke- auch tablecloth, Tischdecke genannt. Im Rücken der Stadt erstreckt sich dieser friedliche und zugleich ehrfürchtige Berg und verleiht der Stadt ein ganz besonderes Flair. Viele Touristen machen sich bei gutem Wetter auf den Weg nach oben um die Sicht auf die pulsierende Stadt zu genießen. Ich möchte auch unbedingt nach oben, jedoch hatte ich scheinbar das falsche timing, so dass gerade an dem Tag, an dem ich hoch hinaus will, wieder ein paar Wolken aufziehen und die Wanderung zu gefährlich wäre. Hmm nun gut, dann eben beim nächsten mal!

Stattdessen mache ich mich auf den Weg und schau mal bei unserer Sprachschule vorbei. Schon im Hostel hat man mir gesagt, dass Kapstadt ein Paradies für Sprachschüler ist und viele dort ihre Englischkenntnisse auf Vordermann bringen. In der Tat! Auch bei unserer Sprachschule herrscht ein reges Treiben, Sprachschüler unterschiedlichster Herkunft nutzen die Pause um sich auch dem Campus mit Ihren Freunden auszutauschen. Die Frau an der Rezeption empfängt mich mit einem freundlichen Lächeln und lässt mich gern einen Blick in die sehr schön dekorierten Klassenräume werfen. Die Sprachschule wirkt wie eine große Familie in der sich jeder gut aufgehoben fühlt. Am liebsten würde ich mich gleich zu den Leuten mit in den Unterricht setzen, aber: auf mich wartet noch ein kleiner Ausflug ins „Exil“- nach Robben Island, wohin neben Nelson Mandela ettliche Menschen ins Gefängnis verbannt wurden. Die Fahrt mit der Fähre ist herrlich- endlich mal ein frisches Lüftchen- immerhin ist dies ja bereits der Atlantik, der nicht nur SeglerInnen sondern natürlich auch viele SurferInnen an der Westküste Südafrikas erfreut. Auch die Sicht auf Kapstadt ist gigantisch- die riesige Stadt liegt so friedlich am Fuße des Table Mountains, umgeben von Wasser. Kaum auf Robben Island angelangt, kreuzt auch schon ein kleiner Springbok unseren Weg. Die eleganten Säuger sind auch das Maskottchen des südafrikanischen Rugby Teams- Southafrican Springboks. Die Museumsanlage auf Robben Island, die 1999 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde, ist beeindruckend und ich kann mir kaum vorstellen, wie die Häftlinge hier oft Jahrzehnte lang in Gefangenschaft leben mussten! Nun auch dies endete glücklicherweise mit dem Untergang des Apartheitssystems in den 90er Jahren.

In den nächsten paar Tagen mache ich straffes sightseeing mit netten Leuten, die ich im Hostel kennen gelernt habe. Unser erster Tagestrip mit dem strahlend blauen 1er Golf, der ja in Südafrika noch recht lange produziert wurde, geht in eine der Weinregionen, nördlich von Kapstadt. Die Weingüter sind teilweise noch in Familienbetrieb und bieten meist ein sehr nettes Ambiente um ein paar edle Tropfen zu kosten- lecker lecker! Am Abend machen wir uns zusammen nochmal auf in die Stadt und finden mal wieder so einige nette Kneipen in denen man auf dem Balkon bei angenehmen Temperaturen nett quatschen kann. Um die Ecke wird noch bei südafrikanischen Klängen getanzt- aber wie, der Rhythmus scheint von den SüdafrikanerInnen anders verinnerlicht zu sein!

Am Tag vor meiner Abreise steht selbstverständlich auch noch ein Ausflug zum Kap der guten Hoffnung aus! Während der Fahrt nach Süden entlang der Küste kann man nicht nur dem Auge sondern auch den Gedanken freien Lauf lassen. Viele kleine Fischerörtchen reihen sich aneinander, bis wir letztlich umgeben von Pavianen am Parkplatz des Cape Points ankommen. Die Paviane sind ein wahrer Publikumsmagnet, und scheinen Menschen gewohnt zu sein- ich muss schon sagen, Respekt habe ich allemal und wage mich besser nicht zu weit nach vorne! Auch Strauße suchen entlang der Küste nach Futter- mmmh ob sich in all dem leckeren Gras wohl auch ne schicke Heuschrecke versteckt? Der kleine Trampelpfad zum Cape Point bietet eine unglaubliche Sicht auf die beiden großen Ozeane und natürlich auch die einzigartige Felsküstenlandschaft des Cape Point National Parks. Obwohl ich wirklich eine Weile dort stand und versucht habe die genaue „Grenze“ zwischen Atlantik und Pazifik zu erkennen gelang mir dies nicht so wirklich- nun allein das Wissen, dass dem so ist fand ich schon völlig faszinierend. Zusammen mit den Leuten vom Hostel gehen wir am Abend vor meinem Rückflug nochmal zusammen los um auf die tolle Zeit in Kapstadt anstoßen. Sicher hätte ich hier bei einem mehrwöchigen Sprachkurs sehr viel Spaß und würde noch mehr tolle Ecken von Kapstadt entdecken!


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